Ein großes Rätsel der Antike
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“Außergewöhnlichen Schlachten folgen in der Regel
außergewöhnliche Regenfälle“
Plutarch
Man
stelle sich folgendes Szenario vor:
Die
histographischen Aufzeichnungen über die Varusschlacht wären uns
nicht überliefert worden. Man wüsste nichts über Arminius und Varus.
In dem hügelreichen Gebiet zwischen Weser und Ems könnte man
herrlich „Urlaub im Osning“ machen. Es gäbe kein Hermannsdenkmal-
nur einen hohen Aussichtsturm an dieser Stelle, und der 1.FC
Bielefeld konnte wegen des Rettungsversuches von Jörg Berger, den
Abstieg in die zweite Fußballbundesliga vermeiden.
Die archäologische
Zunft hätte in den vergangenen Jahrzehnten ganze Arbeit geleistet.
So sind viele ehemalige Römerlager entdeckt, erforscht und zeitlich
eingeordnet worden. Weitere Funde bestätigen
die römische Anwesenheit auf der rechten Rheinseite über mehr als
zwanzig Jahre. Man hätte auch festgestellt dass sich die Römer, in
den Jahren um die Zeitwende herum, mindestens eine kämpferische
Auseinandersetzung geliefert haben müssen. An dem Ort dieses Kampfes
streiten sich die Archäologen noch über den genauen Hergang dieser
Schlacht, aber der überwiegende Teil der Wissenschaft ist davon
überzeugt, dass in Kalkriese zwei römische Heere gegenüber standen
und sich gegenseitig bekämpft haben. Der archäologische Befund lässt
im Grunde keinen anderen Schluss zu, denn es wurden von einem
germanischen Reitersporn abgesehen, ausschließlich viele tausende
römische Funde gemacht.
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Und dann
gäbe es die Sensation. Im Geheimarchiv des Vatikans wurde von einem
Mönch, in einer hinteren Nische, verborgen unter dem Staub von weit
mehr als einem Jahrtausend, ein großer Stapel alter Pergamente
gefunden. Darunter die Schriften von Strabo, Velleius Paterculus,
Cornelius Tacitus, Florus, Sueton, und Cassius Dio. Die
Geschichtswissenschaft jubelte über dieses bedeutende Ereignis. Denn
nun hatte man endlich die Gelegenheit sämtliche Funde, die vorher
nur für sich alleine standen, verschiedenen Begebenheiten
zuzuordnen. Ein herausragendes Ereignis welches uns diese
Überlieferung schilderte, war die Niederlage des römischen
Statthalters Varus gegen ein germanisches Heer unter der Führung von
Arminius. Während das geschilderte Geschehen mit den archäologischen
Ergebnissen abgeglichen wurde, hatte man natürlich die Aussagen der
alten Autoren auf ihre grundsätzliche Glaubwürdigkeit überprüft.
Dabei wurde einträchtig und verbindlich festgestellt, dass sich eine
dieser Schriften, im Bezug auf ihre Aussagekraft, grundlegend
von den übrigen Aufzeichnungen unterscheidet, und sich nicht mit der
damaligen Realität sowie der heutigen Geschichtswissenschaft
vereinbaren lässt. Zudem wurde sie erst
zweihundert Jahre nach dem Geschehen verfasst und steht damit in
einem enormen zeitlichen Abstand zu den geschilderten Abläufen.
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Aus
gutem Grund verwarf man einmütig die meisten Aussagen von diesem
Autor. Im Besonderen seine fehlerhaften Angaben, dass Varus zur
Weser zog, sowie seine übertrieben lebhafte und unlogische
Schlachtbeschreibung erfuhren eine drastische Ablehnung. Nach dieser
gründlichen Quellenkritik machte man sich dann auf die Suche nach
den Plätzen und Orten, die uns aufgrund der Aufzeichnungen der
übrigen antiken Schriftsteller überliefert wurden. Denn die Angaben
dieser Schreiber schienen trotz gelegentlicher Differenzen
untereinander, im Großen und Ganzen in sich schlüssig. Zudem waren
sie mit den archäologischen Ergebnissen vereinbar. So bekamen die
Römerlager an der Lippe, Holsterhausen, Haltern, Oberaden und
Anreppen, ihre Einordnung zum historischen Kontext. Bei Bramsche, an
der Autobahn, wurde ein Schild mit der Aufschrift „Kalkriese - Die
Schlacht am Angrivarierwall“ aufgestellt, und das vermisste
Römerlager Aliso wurde nach intensiver und aufwändiger Suche in
Rheinnähe gefunden.
Nachdem durch den Abgleich mit archäologischen Resultaten und der
Quellenlage, ein Gebiet jenseits der Deutschen Grenze als
mutmaßlicher Schlachtort der Varusniederlage ausgemacht wurde,
prüfte die Niederländische Regierung gewissenhaft den Vorschlag, den
Achterhoek im Gelderland in den „Teutoburgerwoud“ umzubenennen.
Desgleichen feierten holländische Nationalisten jetzt diese
Varusverhaal als die Geburtsstunde der niederländischen Nation. Und
zu guter Letzt änderte der Fußballverein Vitesse Arnheim seinen
Namen in Arminia Arnheim und wurde seitdem mehrmaliger Champions
League Gewinner.
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Bild anklicken zum Vergrößern

Eine römische Legion nachgestellt aus
Playmobilfiguren
Rheinisches Landesmuseum Bonn
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So ist es nicht geschehen, denn die
histographischen Aufzeichnungen sind schon vor etwa fünfhundert
Jahren durch ihre Wiederentdeckung in das Bewusstsein der Menschen
gelangt. Seit dieser Zeit versuchten viele in der Wissenschaft
Tätige, oder solche die sich für diese berufen fühlten, die
Örtlichkeiten der Geschehnisse zu bestimmen. Viele sind mit ihrem
für heutige Zeiten beschränkt ausgestattetem Wissen über
geschichtliche Zusammenhänge an die Varusschlachtsuche gegangen. Dem
antiken Autor, dem nach heutigen Maßstäben auf äußerste Misstraut
würde, wurde in naiver Weise Glauben geschenkt und fast
bedingungslos gefolgt. So ist schon vor mehr als dreihundert Jahren,
durch reine unwissenschaftliche und lokalpatriotische Spekulation,
und ausschließlich auf die Aussage dieses Schreibers begründet, der
Osning in den Teutoburger Wald umbenannt worden. Zudem wurde vor
etwa 150 Jahren mit dem Bau des Hermannsdenkmales, im Zentrum dieses
Gebietes, diese Gegend vor aller Welt als der Bezirk manifestiert,
in dem Varus sein Ende gefunden haben muss.
Diese Lokalisierungsversuche vor langer Zeit haben
heute zur Folge, dass jedes Mal wenn von der Varusschlacht
gesprochen wird, der Finger reflexartig auf dieses Gebiet zeigt,
während eine andere Örtlichkeit, die weitab von dieser Gegend liegt,
als mutmaßlicher Schlachtort bisher nur mitleidiges Lächeln erhält.
In Kalkriese wird derzeit, trotz eines gegenteiligen
Grabungsbefundes, dieser Ort prestigeträchtig und lukrativ als den
der Varusschlacht propagiert. Und letztendlich steigt Arminia
Bielefeld in die zweite Liga ab.
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Einleitung
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Die Clades Variana oder auch
Varusschlacht, die unüblicher Weise nach seinem Verlierer benannt wurde. Die
Hermannschlacht, obwohl keiner der Beteiligten Hermann hieß. Die Schlacht im
Teutoburger Wald, obgleich dieses heute so genannte Waldgebiet eigentlich Osning
heißen müsste. Diese Bezeichnungen stehen für das größte Drama dass einem
römischen Heer je auf germanischen Boden widerfahren ist, und welches in seiner Folge die Europäische Geschichte nachhaltig
verändert hat. Der vom römischen Kaiser Augustus als Statthalter in
Germanien eingesetzte Quintilius Varus, wurde mit seinen drei Legionen
im Jahr 9 nach Christus, durch eine Streitmacht germanischer Krieger unter
Arminius dem Cherusker vernichtend geschlagen. Diese Katastrophe erschütterte
das römische Weltreich so sehr, dass in der Folge dieser Niederlage die
Germanienpolitik der Cäsaren grundlegend geändert wurde. Nicht mehr wie geplant
die Expansion des Römischen Reiches bis zur Elbe, sondern den Rhein und Limes
als die zu sichernde Grenzlinie zu den Germanen auszubauen wurde danach als neues Ziel verfolgt. Der römische Geschichtsschreiber
Tacitus vermerkt verneigend zur Person Arminius: “Unstreitig war er
der Befreier Germaniens, der das römische Volk nicht am Anfang seiner
Geschichte, wie andere Könige und Heerführer, sondern das in höchster
Blüte stehende Reich herausgefordert hat, in den einzelnen Schlachten
nicht immer erfolgreich, im Kriege unbesiegt“.
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Über dieses Ereignis legte sich
anschließend in dem Gedächtnis der nachfolgenden Generationen der Mantel des
Vergessens. Als es dann nach
fast anderthalb Jahrtausenden durch die intensiven Studien der
römischen Geschichtsschreiber wieder in das Bewusstsein
der Menschen zurückkehrte, nahmen sich seitdem viele Generationen von Dichtern
und Denkern dieses historischen Motivs an. Arminius zählte zeitweilig zu dem
heroischen Vorbild für deutsche Freiheitsliebe, sein Kampf gegen die Römer als
das Beispiel für die Auflehnung gegen eine fremde, das deutsche Volk und Kultur
unterdrückende Herrschaft. Doch so sehr sich die poetische Zunft an dieser
Vorlage auch ausleben durfte, so brachte diese Begebenheit auch viele derjenigen
Menschen fast zur Verzweiflung, die an dem wie und wo dieses Teiles unserer
Geschichte interessiert sind. Kaum ein anderes historisches Geschehnis hat die
Altertumsforschung hierzulande mehr herausgefordert als diese strafende
Niederlage der einstmaligen Weltmacht Rom. Die Berichte der antiken Schreiber
über den Hergang dieses Geschehens, ließen in ihren Ortsangaben sehr viel
Freiraum für eigene Spekulationen und verschiedenste Interpretationen. Es
scheint fast so als ob sich diese frühzeitlichen Berichterstatter untereinander
für einen großen Spaß abgesprochen haben, um der Nachwelt ein scheinbar nicht zu
entschlüsselndes Rätsel aufzugeben. Denn trotz größter Anstrengungen vieler
forschungshungriger Historiker, ist es bisher noch nicht gelungen den
genauen Verlauf oder den Ort dieses römischen Desasters zweifelsfrei zu
erklären.
Infolge der unsicheren und widersprüchlichen Quellenlage
entwickelten ganze Heerscharen von Wissenschaftlern ihre eigene Theorie
über die Abfolge dieses Kampfes, mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der
jeweils vermuteten Schlachtfelder auf bisher über 700 angewachsen ist,
und die Literatur die zu diesem Thema veröffentlicht wurde, mittlerweile
ganze Bibliotheken füllen könnte. Nachdem in Kalkriese bei Osnabrück
in den letzten Jahren ein Kampfplatz aus der Zeit der römischen
Germanienfeldzüge nachgewiesen werden konnte, und es mit dem Ort der
Varusschlacht in Verbindung gebracht wurde, sind die Stimmen sehr viel
leiser geworden die einen andern Standort als diesen für ihre These
favorisieren. Die Geschichtswissenschaft scheint sich im Allgemeinen
trotz einiger Bauchschmerzen, mit dieser Örtlichkeit als den der
Varusschlacht abgefunden zu haben. Auf dieser Webseite soll in mehreren
Teilen zuerst die gesamte Problematik der Suche nach dem Ort der Varusschlacht
beleuchtet werden, um dem Leser die Grundlage zu geben, sich selbst ein
umfassendes Bild der derzeit gesicherten Ausgangslage zu machen. Zusätzlich
werden an dieser Stelle in einem weiteren Teil die zurzeit aktuellen
Varusschlachttheorien erörtert und aus einfach nachvollziehbaren Gründen
entkräftet, um im anschließenden Schwerpunkt dieser Untersuchung eine bisher
noch recht unbekannte Version der damaligen Ereignisse vorzustellen. Sie können
sich nach einfachem Schema von Seite zu Seite vorarbeiten um in diese Webseite
gleich wie in einem Buch einzutauchen, sie haben aber auch die Möglichkeit durch
oftmals angegebene Querverweise verschiedene Themenschwerpunkte einzeln zu
erfassen.
Dieser
unkonventionelle Versuch einer Varusschlachtlokalisierung unter Einbeziehung der Antiken Autoren,
militärischen Überlegungen, geographischen Studien, alten
Ortsbezeichnungen und einer großen Portion logischem Menschenverstand, soll neues Öl in das Feuer
dieser schon fast unendlichen Diskussion gießen. Denn nach genauer Berücksichtigung aller uns
heute vorliegenden Fakten, gelangt man unwillkürlich zu einem gänzlich
anderen Resultat wie sämtliche anderen Theorien die sich bisher
mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Da sich dieser Themenschwerpunkt
Varusschlacht in fortwährender Forschungsdynamik verhält soll auch diese Studie
laufend um neue Bilder, Videos, Graphiken, Animationen und vor allem Inhalte
ergänzt werden, um soweit wie möglich auf dem neuesten Stand der
wissenschaftlichen Diskussion zu sein.
Ich hoffe, dass diese hier
vorliegende Untersuchung in Verbindung mit den dafür nötigen
archäologischen Überprüfungen dazu beiträgt, dass dieses große
Rätsel der germanischen Geschichte, nun da es sich in diesem Jahr
zum zweitausendsten Mal jährt, endgültig und abschließend
entschlüsselt werden kann. Gleichzeitig mag diese Website auch als
Aufforderung gelten, sich mit seinem Wissen oder seiner Neugier an der nötigen Diskussion und
der Erforschung dieser Geschichtsfrage zu beteiligen, denn dieses Thema lebt
nicht nur durch einseitige Stellungnahmen. Gleichzeitig bitte ich alle Leser,
mich auf sachliche und inhaltliche Fehler innerhalb dieser Webseite aufmerksam
zu machen, denn ich möchte an dieser Stelle eine möglichst wahrheitsgemäße
Wiedergabe der einstmaligen Ereignisse gewährleisten.
Rees-Mehr den 26. Mai
2009
Albert Bömer
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Albert Bömer
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